EIN IGEL, DER DAVON TRÄUMTE, EIN SCHAF ZU SEIN

Fotografie: Fundstücke 2

Fotografie: Fundstücke 2

Von Dini

Jedes Mal, wenn Igor sieht, mit wieviel Freude und Euphorie die Kinder auf die Wiese rennen, barfuß mit hitzigen Wangen und strahlenden Augen und sich der Herde nähern, wird ihm gleichermaßen warm und schwer ums Herz.

Jeden Tag versucht er es zu ignorieren. Das Glucksen und Kichern des sommersprossigen Mädchens und das darauffolgende, selbstzufriedene "Määä-ääää", eindeutig Suzette, ist schlicht nicht zu überhören. Verstohlen tippelt Igor dichter heran. Sie würden ihn sowieso nicht wahrnehmen, doch so konnte er Suzette und ihre Freunde besser schmatzen hören und das frische Gras besser riechen.

"Oh, wenn ich doch nur ein Schäfchen wäre … Die Kinder würden mich kuscheln, mir Gras pflücken und mich abends vorm Einschlafen zählen … Ich könnte dafür sorgen, dass ihre Füße im Winter nicht frieren und im Sommer würden sie mich am Himmel suchen …

Doch ich bin weder flauschig noch kuschelig und ich kann auch nicht so schön 'mäh-singen'."

"Oh, nein, oh nein …."

Plötzlich hört Igor, wie eines der Kinder ruft: "Schaut mal, der kleine hübsche Igel da drüben, der ist ganz allein und sieht sehr betrübt aus!"

Da pflücken sie die auf dem Boden liegende Wolle, kommen zu Igor herübergestiefelt und legen dem Igel behutsam die Wollknäuel auf den Rücken.

"Jetzt können wir ihn streicheln, Paula!"

"Das ist toll, aber zum Glück für uns alle ist er ein Igel, weil, die fressen jede Krabbel-Spinne und wenn so ein mutiger Igel in der Nähe ist, habe ich niemals mehr Angst, auch wenn er aussieht wie ein Schaf!"

Igor wurde zum glücklichsten Igel im Schafspelz, dem diese Kinder je begegnet sind und sie wurden tolle Freunde.